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Verschweigen ist Lügen!

Ich habe mich schon eine Weile nicht mehr gemeldet. Hatte die letzten 2 Tage und heute 3 Klausuren geschrieben und musste mich aufs Lernen konzentrieren. Eigentlich lerne ich immer nur wenige Tage vor den Arbeiten. Naja...

Außerdem hatte ich viel zu viel Wut in mir, als dass ich hätte vernünftig schreiben können. Nicht wegen Torben. Nein, wegen meinem Dad! Eigentlich müsste ich auch auf meine Mutter sauer sein, aber wie kann man auf jemanden sauer sein, der nicht mehr lebt... Doch sie beide haben mir etwas verschwiegen. Nur wenige Wochen nachdem meine Mutter mich auf die Welt gebracht hatte, ist sie schon wieder schwanger gewesen. Neun Monate später hätte sie ihrer Tochter, meinem Schwesterchen, das Leben schenken sollen. Doch sie hat es nie getan. Als diese auf die Welt kam, lag sie tot in den Händen der Geburtshelferin! Eine Totgeburt! Sie hatte nie eine Chance gehabt, ihren Lebenswillen zu beweisen. Sie hatte nie die Chance gehabt, den ersten Atemzug zu machen, den Klaps auf den Po zu spüren und anzufangen, munter zu schreien! Und ich hatte nie eine Chance, darüber traurig zu sein. Denn meine Eltern haben sich dafür entschieden, mir nie von ihr zu erzählen.

Janina hätte sie heißen sollen. Vermutlich hätte ich, wäre alles gut gegangen, dann jetzt eine Schwester gehabt, mit der ich mich regelmäßig zanken würde, weil ich natürlich Wert darauf läge, dass ich der Ältere von uns beiden bin. Und doch hätte ich auch jemanden gehabt, der mich geknuddelt hätte, vor zwei Monaten. Sie hätte nicht so einen Spruch abgelassen, wie mein Vater, dass Beziehungen eben in die Brüche gehen würden und das Leben nun mal so sei und trotzdem weiterginge. Für meine Schwester ist es nicht weiter gegangen. Für sie hat es noch nicht einmal anfangen können. Und auch wenn ich verstehe, dass man einem Kleinkind soetwas nicht erzählen möchte, hätte mein Vater mir das mittlerweile schon längst sagen können.

Aber nein, das hat er nicht. Und er hätte es bis heute nicht getan, er hätte mich weiter belogen und so getan, als hätte ich nie eine Schwester haben können. Wenn ich nicht zufällig gestern auf sein Tagebuch gestoßen wäre. Ich weiß, dass man die Tagebücher anderer Leute nicht lesen sollte, aber ich wollte auch nur kurz reinschauen und schließlich, dachte ich, ist es ja mein Vater. Nur mal seinen letzten Eintrag lesen, schauen, wie so sein Schreibstil ist, was ihm alles so wichtig ist, dass er es ins Tagebuch schreibt. Was ich nicht wusste, war, dass er nach diesem einen Tag, nachdem meine Schwester tot auf die Welt gekommen ist, nie wieder etwas darin festgehalten hatte. Und so stieß ich auf diesen schrecklichen letzten Eintrag. Schrecklich in zweierlei Hinsicht: Dass er seine Tochter gleich am 1. Tag verlieren musste und dass er meinte, dass sein Sohn dies nicht zu wissen bräuchte.

Als er von der Arbeit heim kam, habe ich ihn angeschrien. Das mache ich nicht oft, aber diesmal habe ich es getan. Richtig laut, richtig wütend. Und richtig gefühlslos. Ich konnte einfach nicht fassen, dass er mir das alles einfach verschwiegen hatte. Ich habe doch ein Recht, zu erfahren, dass ich eine Schwester gehabt hätte! Und ich habe erst aufgehört, als er anfing zu weinen. Das hatte ich nach dem Tod meiner Mutter nicht mehr gesehen. Mein Vater hat richtig geweint. Ich bin dann, ohne noch etwas zu sagen, ins Bett gegangen.

Heute haben wir uns gerade nochmal darüber unterhalten. Diesmal ohne zu schreien. Er hat mir gesagt, wie schwer dieses Erlebnis damals für ihn war und dass es ihm auch schwer gefallen ist, sich dafür zu entscheiden, mir nichts davon zu erzählen. Und ich habe auch nicht so sehr nachgedacht, als ich ihn gestern angeschrien habe. Ich habe ihm auch gesagt, dass es mir leid tut, doch ich war einfach zu wütend! In so einer Situation denkt man nicht nach. Aber darum haben wir ja auch eben nochmal geredet. Trotzdem finde ich es nicht gut, dass er es mir verschwiegen hat. Schließlich wäre ich der Bruder gewesen. Wäre gewesen. Und auch wenn mein Vater gemeint hat, dass er keine weiteren Geheimnisse vor mir hätte, wird es eine ganze Weile brauchen, bis ich ihm wieder vertrauen kann. Das hat er sich selbst zuzuschreiben.

Still angry,
~sorryboy~

PS: Ich wünsche euch trotz allem ein schönes Wochenende und hoffe, dass auch ich ein einigermaßen schönes haben kann.
16.3.07 17:42
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


BIGMÄC (18.3.07 14:12)
Ey mann! sei doch nicht so assi zu deinem vater! was solls, was passiert ist ist doch passiert. hätte es dein leben geändert wenn du das von deiner schwester gewusst hättest. im gegensatz zu deinen eltern/vater wärst du doch problemlos über die geschichte hinweggekommen. du hattest doch kaum einen bezug dazu... ey man vertrag dich bloß wieder richtig mit deinem dad.

gez. fastfoodprodukt


sorryboy / Website (18.3.07 14:23)
versetz dich doch mal in meine lage! stell dir vor deine eltern würden dir verschwiegen haben, dass du beinahe noch eine schwester gehabt hättest. ich bin ein einzelkind und für mich wäre es etwas ganz besonderes gewesen. mal davon abgesehn stört mich schon allein, dass es mir einfach nie gesagt wurde. ja, vielleicht wäre es nicht so schlimm gewesen für mich, weil ich irgendwie doch keinen großen bezug dazu gehabt hätte. aber so wie es jetzt war, hatte ich ja nie die chance, darüber überhaupt mal nachzudenken. und sowas dann plötzlich zu erfahren, kann einen schon sauer machen. ich denke, du wärst auch nicht einfach ruhig geblieben...

~sorryboy~

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